Nicht nur der Sieg zählt für sie: Als beste Autofahrerin Deutschlands ist die Essenerin Heidrun Kuhlmann gleichzeitig Botschafterin für Mobilität und Sicherheit. Bild: Sebastian Konopka

Eine Lady gibt Vollgas

Die Bredeneyerin Heidrun Kuhlmann ist Extremsportlerin und trägt seit zwei Jahren den Titel ,Deutschlands beste Autofahrerin‘. Auch 2017 will sie bei der Challenge einer großen deutschen Autozeitung die Konkurrentinnen wieder hinter sich lassen und die begehrte Auszeichnung gewinnen.

Die 47-jährige Unternehmensberaterin aus Essen freut sich nicht nur auf die hohen Anforderungen, die in den einzelnen Disziplinen an die Teilnehmer gestellt werden. „Ich treffe ganz viele Freunde wieder, wir sind inzwischen eine eingeschworene Gemeinde. Und ich habe die rauschende Abschlussfeier in Berlin schon fest  in meinem Terminkalender als Highlight eingeplant.“
Die Vorrunden des harten Wettbewerbs „Deutschlands bester Autofahrer/ beste Autofahrerin“ laufen bereits auf Hochtouren. Am Ende jedes Wettkampftages steht ein Tagessieger und eine Tagessiegerin fest, die sich damit direkt ein Ticket für das große Finale am 23. Oktober in Berlin sichern. Die Schirmherrschaft für den Wettbewerb hat das Bundesverkehrsministerium übernommen, als Hauptgewinn winkt auch in diesem Jahr ein Auto.
Heidrun Kuhlmann aus Essen-Bredeney stand 2015 und 2016 ganz oben auf dem Podest. Was hat sie bewegt, überhaupt teilzunehmen, wie war ihr Weg dort hin und was schätzt sie an diesem Wettbewerb?
Heidrun Kuhlmann war schon in ihrer Schulzeit Leistungssportlerin, in den Jahren 1987 und 1988 Mitglied der deutschen Leichtathletik-Junioren-Nationalmannschaft. Der sportliche Wettkampf ist immer Teil ihres Lebens geblieben, 2003 und 2006 nahm sie zum ersten Mal, mehr aus Spaß und Zufall, an der Land-Rover-G4-Challenge, der Expeditions-Nachfolgeveranstaltung der Camel Trophy, teil.  Auf insgesamt vier Kontinenten trugen die Kandidaten unter anderem Wettkämpfe im Mountainbiking, Paddeln und Fahren in extrem schwierigem Gelände aus.
Bei dieser Gelegenheit knüpfte sie viele Kontakte zu anderen Menschen, die Extremsport lieben und betreiben.
„Am meisten haben mich die anderen Menschen fasziniert, die mit mir durch diesen Wettkampf gegangen sind, das hat uns Teilnehmer zusammengeschweißt.“
Die arktische Fulda-Challenge 2009 beispielsweise hat ihr drei Freundinnen beschert. „Aus ganz Deutschland kamen die Bewerber um den Titel, aber wir drei Frauen aus Witten, Bochum und Essen sind nach dem gewonnenen Vorentscheid gemeinsam für die Endwettkämpfe nach Kanada gereist. Noch heute sind wir eng verbunden, reisen und unternehmen viel gemeinsam“, spricht sie über die wichtigen menschlichen Begegnungen, die ihr diese Zeit in Yukon beim arktischen Zehnkampf geschenkt hat.Es ist schwer vorstellbar, dass sich ein Mensch überhaupt bei Temperaturen um minus 45 Grad Celsius draußen bewegt, ganz zu schweigen, dass er sich harte Wettkämpfe in Disziplinen wie Mountainbiken, Halbmarathon-Laufen liefert und nachts bei minus 35 Grad zeltet.
Kuhlmann hat den Ex­tremsport-Bewerb der Fulda Challenge im Einzel sogar gewonnen, gemeinsam mit Joey Kelly bestritt sie im Team das Finale. Sie haben ein Flugzeug nur mit ihrer eigenen Körperkraft über das Eis gezogen. „Irgendwann habe ich für mich
entschieden, mich auf das Autofahren zu konzentrieren und es damit auch ruhiger angehen zu lassen.“
Für das Finale des von einer großen deutschen Autozeitung ausgeschriebenen Wettbewerbs hatte sich Heidrun Kuhl­mann 2009 und 2014 auf Anhieb

qualifizieren können. Im dritten Anlauf hat es dann mit dem Titel ,Beste Autofahrerin‘ geklappt. Lag es nur an der Übung? „Ich weiß nicht, ob es mir nicht doch geholfen hat, dass seit 2015 die beste Autofahrerin und der beste Autofahrer gekürt werden, Männer und Frauen haben ein ganz unterschiedliches Fahrverhalten, Männer sind zum Beispiel sehr viel risikobereiter auf der Straße“,  berichtet sie über ihre Erfahrung.
Der Wettkampf ist schon wieder in vollem Gange und Heidrun Kuhlmann brennt auch in diesem Jahr darauf, den Titel nach Bredeney zu holen. „Der Wettbewerb an sich reizt mich sehr, es ist doch schön, bei einer Sache, die man gut kann, als Beste hervorzugehen. Zudem liebe ich die Art der Disziplinen des Wettkampfes. Fahrsicherheit und Geschicklichkeit haben hier immer Priorität vor Schnelligkeit. Es ist beispielsweise ein Slalom aus Hütchen gesetzt, der so wenig Zwischenraum lässt, dass man das Fahrzeug sehr präzise um die Hindernisse lenken muss.“ Sie möchte mehr Menschen motivieren, an solchen Wettkämpfen teilzunehmen. „Seit ich mich so intensiv und präzise mit dem Fahren auseinandersetze, bin ich viel gelassener geworden. Das umfangreiche Training ermöglicht es mir, Situationen auf der Straße sowie meine eigenen Fähigkeiten als Autofahrerin viel realistischer einzuschätzen.“ 2009 wurde sie als Botschafterin für Mobilität und Sicherheit ausgezeichnet und empfiehlt alllen weniger Experimentierfreudigen und Sportlichen ein Fahrsicherheitstraining. „Auch meinen Eltern habe ich einen Gutschein vom ADAC geschenkt, der lag lange in der Ecke. Immer war etwas anderes wichtiger. Heute sagt mein Vater, dass ihm das Training schon aus mancher Situation im Straßenverkehr gerettet hat! Stolz wie Bolle waren meine Eltern am Schluss.“
Heidrun Kuhlmann ist aber auch abseits jeglicher Piste oder Strecke ein vielseitiger Mensch. Sie hat Biologie studiert, war damit aber so schnell fertig, dass sie einfach noch zwei weitere Studien­abschlüsse anhängte. Über die Anstellung bei einem Weiterbildungsinstitut fand sie den Weg in die Personal- und Projektleitung großer Energiekonzerne. 2009 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit, berät seitdem Unternehmen und übernimmt die Leitung großer Projekte wie zum Beispiel die leuchtenden Heißluftballons des ,Schachtzeichens‘ im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010.  „Inzwischen sehne ich mich wieder nach dauerhaften Projekten und Aufträgen, an denen man über längere Zeit dran bleiben kann. Als Unternehmensberaterin werde ich zumeist erst geholt, wenn der Karren schon in der Wand steckt“, bekennt sie.
Bleibt bei soviel Verantwortung im Beruf und Verausgaben beim Sport noch Freizeit? „Darauf, dass ich mein ausgefallenes Hobby mit meinem Job vereinbaren kann, bin ich sehr stolz. Mir bleibt dennoch genug Zeit für meine Freunde und zum Reisen. Daraus kann ich viel Kraft schöpfen, vor allem, wenn sich auch mal mein Handy verabschiedet wie am zweiten Tag meiner dreimonatigen Tour durch Südamerika“, antwortet die Bredeneyer Globetrotterin.
Vor allem ist sie dankbar, für die Chancen und die Freiheit, die das Leben bisher für sie parat gehalten hat.                                                  Sabine Beisken-Hengge