Im Pulk der Enten

Das grosse, internationale Quietsche-Enten-Rennen auf der Ruhr aus Sicht einer teilnehmenden Ente. Eine Kurzgeschichte von Gerlinde Buchholz.

Die Sonne brennt vom Himmel. Einen schöneren Tag hätte man sich nicht aussuchen können; für das große, internationale Quietsche-Enten-Rennen auf der Ruhr. Ich bin Ente Nr. 941 und für mich wäre es das aller-allergrößte, wenn ich an diesem Wettkampf teilnehmen könnte.
Ich bin das erste Mal hier in Mülheim an der Ruhr und es scheint eine lustige Veranstaltung zu werden.
Von dem Zelt aus, indem wir Quietsche-Enten auf unseren Einsatz warten, sehe ich viele fröhliche Menschen vorbeischlendern, mit einem leckeren Eis in der Hand oder einer Waffel...Ich höre Musik und Gelächter, es gibt einen Trödelmarkt, Stände mit Getränken und selbstgebackenem Kuchen. Es treten verschiedene Musik-Bands auf und es gibt sogar eine Bauchtanzgruppe...Der Erlös aus diesem Fest kommt einem guten Zweck zugute – der Jugendarbeit. Dazu leisten auch wir Quietsche-Enten unseren Beitrag und die Besucher können uns für 5 Euro kaufen und bei einem Rennen auf der Ruhr starten lassen. Dieser Wettkampf ist ein ziemliches Highlight, so wie ich gehört habe und findet jedes Jahr statt.
Um 15.00 Uhr sollen alle verkauften Enten von einer Brücke, sie heißt Flora-Brücke, zu Wasser gelassen werden und so schnell es geht Richtung Schleuse schwimmen. Die schnellste Ente gewinnt für ihren Käufer einen Reisegutschein im Wert von 300,00 Euro. Na, wenn das kein Ansporn ist! Aber in erster Linie geht es natürlich um Spiel und Spaß und natürlich den guten Zweck.
Im Vorfeld wurden schon gelbe Enten verkauft und lustig gestaltet. Ich habe bereits eine Prinzessin gesehen, ganz in rosa mit einer Krone, eine Ente, die grün wie ein Frosch ist und einen gefährlich aussehenden Kollegen in knallrot mit einem Dreizack unter seinem Flügel. Auch eine goldene Ente ist mit von der Partie. Ach, ich bin so aufgeregt! Aber zuerst muss sich noch ein Käufer für mich finden...und eigentlich müsste ich jetzt auch die nächste Ente sein, die verkauft wird.
Kaum habe ich diesen Gedanken zu Ende gesponnen, kommt eine Dame zielstrebig auf unser Zelt zugelaufen. “Ja – bitte, bitte – machen Sie mit und geben Sie mir die Chance, an dem Quietsche-Enten-Rennen teilzunehmen” denke ich aufgeregt. Aha! Lächelnd begrüsst die Dame die Enten-Verkäuferin. Die beiden scheinen sich zu kennen. “Grüss Dich Sonja”, sagt die Verkäuferin. “Schön, dass Du es doch noch geschafft hast, zu unserem Fest zu kommen”. “Hallo Gerlinde”, die beiden Damen schütteln sich die Hände. “Jetzt habe ich euer Quietsche-Enten-Rennen schon so oft verpasst, heute lasse ich mir das Vergnügen nicht nehmen. Ich möchte auch gerne eine Ente starten lassen...” sagt die Dame und ich hätte vor Freude quietschen können. Die Hand der Enten-Verkäuferin kommt näher und nimmt mich vorsichtig auf. “Darf ich vorstellen?” lacht sie und setzt mich vor die Dame. “Das ist Ente-Nr. 941 und sie wird für dich starten. Bist Du so lieb und trägst Dich hier in unsere Liste ein? Sonja reicht Gerlinde einen Hefter, in den sie sich eintragen soll.
“Freut mich dich kennen zu lernen, Ente-Nr. 941. Ich hoffe, Du gibst alles bei dem Rennen...” Die nette Dame zwinkert mir zu und mir wird vor Freude fast schwindelig. Noch nie hat jemand mit mir gesprochen. Aber natürlich, ich werde sogar noch mehr als mein Bestes geben, ich werde kämpfen wie noch nie in meinem Leben; soviel ist klar!
Nun erklärt Sonja ihrer Bekannten noch den Ablauf des Rennens und ich werde zu meinen Kollegen gesetzt, die an dem Rennen teilnehmen . Ich kann es kaum glauben, ich habe es geschafft und bin dabei. Wahnsinn!
“Prima Sonja, dann ziehe ich mal los und suche mir einen guten Platz, um meine Ente anzufeuern. Ich glaube, der Biergarten an der Flora-Brücke würde sich direkt dazu anbieten, von dort aus hat man den besten Blick. Bis zum Rennen sind es ja noch gut 2 Stunden, da kann ich noch gemütlich über den Trödelmarkt schlendern und mir in Ruhe einen guten Tisch im Biergarten suchen.” Gerlinde lächelt verschmitzt.
“Gute Idee, der Biergarten liegt ja etwas erhöht, da hast Du wirklich alles im Blick. Sowohl Brücke als auch den Fluss” nickt Sonja. “ Ich wünsche dir viel Spaß....und toi-toi-toi” “Dankeschön Sonja, ich habe auch meine Kamera mitgenommen um schöne Fotos zu schießen oder sogar ein Video von dem Spektakel zu drehen. Also 941 – . Ich drücke die Daumen und lass' dich bloß nicht unterkriegen. Gerlinde streicht mir kurz über den Schnabel und verschwindet dann in der Menschenmenge.
Ich bin sehr gespannt, wie es nun weitergeht....nach einer endlos langen Zeit werden wir, die teilnehmenden Enten, in ein großes Laken gepackt. Hui – hier geht der Spaß schon los, denn wir purzeln erst einmal alle durcheinander und wissen gar nicht mehr, wo oben und unten ist. Gerade rollt die rosa Prinzessin an mir vorbei und auch die goldene Ente konnte ich in dem Gewühl schon entdecken. Die grüne Ente ist jetzt direkt neben mir und raunt mir zu: “Hey, ich bin Krümel. Einige Enten haben mich vor dem roten Kollegen mit dem Dreizack gewarnt. Das soll ein übler Geselle sein, der verbissen den Sieg im Kopf hat und wahrscheinlich nicht vor unfairen Handlungen zurückschreckt. Vor ihm müssen wir uns ganz besonders in Acht nehmen. Außerdem habe ich gehört, dass es im letzten Jahr zu Ausschreitungen gekommen ist, einige Enten haben unter Wasser nach ihren Mitstreitern getreten und versucht, sie umzuschubsen. Daher werden in diesem Jahr vier Polizei-Enten zu unserem Schutz am Rennen teilnehmen. Trotzdem sollten wir unseren grimmigen Kollegen gut im Auge behalten. Dem traue ich alles zu.” Krümel schaut ganz besorgt drein.
Huch! Damit habe ich nun nicht gerechnet. Sollte der Schutz durch die Polizei-Enten wirklich vonnöten sein? Es soll doch alles nur ein Riesen-Spaß werden...na, ich werde mich auf jeden Fall nicht provozieren oder umschubsen lassen. Auf gar keinen Fall...Krümel purzelt auch schon weiter und ich will mir meine gute Laune nicht vermiesen lassen.
Plötzlich liegen wir alle ganz still. Aha, man hat uns auf ein Boot gebracht und jetzt geht es leicht schaukelnd ab zur Brücke. Oh, ist das toll hier über den Fluss zu schippern. Endlich kann ich auch den Trödelmarkt sehen und die vielen Menschen, die am Fluss-Ufer entlang laufen. Mehrer Flösse kommen uns entgegen, gesteuert von Kindern und Jugendlichen, die alle vergnügt lachen und feiern. Manche springen übermütig in den Fluss um sich abzukühlen. Keine Angst, alle tragen Schwimmwesten, damit nichts passieren kann. Die rosa Prinzessin sitzt neben mir. “Die Flösse sind alle selbstgebaut. Sehen sie nicht super aus?” fragt sie mich und macht ganz große Augen. Mir fehlen die Worte, es ist wirklich toll und ich kann nur begeistert nicken. Wirklich ein wunderschönes Fest...Alle Enten staunen und quacken jetzt aufgeregt durcheinander.
Mit einem Mal wird es ganz ruhig und wir schauen alle erfurchtsvoll, mit aufgerissenen Augen zur Brücke auf, von der wir zu Wasser gelassen werden sollen. Ich glaube, wir haben uns alle nicht vorstellen können, wie hoch diese ist und halten für einen Moment ergriffen die Luft an. Wow – das wird ein Riesen-Sprung und es kribbelt ganz schön in meinem kleinen Bauch. Das wird für uns ein Mega-Ereignis und ich bin vor Freude ganz außer mir...
Und da sehe ich auch den Biergarten links von mir. Dort sitzt nun die Dame, die mir dieses einmalige Erlebnis möglich macht. Unter einem von diesen schönen, bunten Sonnenschirmen wartet sie und drückt mir die Daumen. Links und rechts am Ufer stehen viele Menschen, sie sehen aus wie eine bunte Kette, die sich von der Brücke bis zum Ziel erstreckt. Auch auf der Brücke stehen sie dicht an dicht. Das ist der Wahnsinn und ich fühle mich unglaublich stolz. Sie alle warten auf uns und werden uns fleißig anfeuern: beim großen Internationalen Quietsche-Enten-Rennen....
Unter lautem Jubel werden wir Enten in dem Riesen-Laken auf die Brücke gebracht. Vier Kinder halten die Enden ganz fest und wir können einen Blick auf den Fluss unter uns werfen. Ui, von hier oben sieht die Brücke noch viel, viel höher aus als von unten. Von einem Boot auf dem Fluss werden wir Enten anmoderiert und eine Laola-Welle geht durch die Menge. Meine Güte, ich bin total begeistert – sieht das so toll aus....
Und nun wird es langsam ernst. Die Menge zählt: “10-9-8-7-6-5-4-3-2-1 loooooooos!”
Unter lautem Beifall und Gejohle wird das Tuch über das Geländer gehoben und wir Quietsche-Enten stürzen in rasendem Tempo auf die Fluten zu. Trotzdem erlebe ich diesen Moment wie in Zeitlupe – ich sehe meine Kollegen, wir alle purzeln schon wieder wild durcheinander, aufgerissene, vor Freude glänzende Augen, manche Enten quietschen begeistert, die jubelnde Menschenmenge, lachende Gesichter – diesen Augenblick werde ich nie in meinem Quietsche-Enten-Leben vergessen...ich versuche, die Balance zu halten und lande auch wirklich kerzengerade auf dem Fluss. Einige Enten haben in der Luft einen Purzelbaum geschlagen und sind zur Seite gekippt. Das kostet Zeit....
3 Enten haben sogar versucht, sich an dem Tuch festzuhalten. Im letzten Augenblick wollten sie doch noch einen Rückzieher machen – aber es hat nicht geholfen. Auch sie sind auf dem Fluss gelandet, allerdings nach ganz ganz hinten abgeschlagen.
Ich merke schnell, dass ich einen guten Start hingelegt habe und schwimme ziemlich weit vorne. Vorbei an dem ganzen Pulk der Enten....Genau neben mir die goldene Ente und – oh Schreck – leider auch der knallig-rote Geselle, der mir auch schon einen bitterbösen Blick zuwirft. “ Wo sind eigentlich die Polizei-Enten?”, frage ich mich in diesem Moment. Im Tuch oben auf der Brücke habe ich sie kurz gesehen, aber anscheinend sind sie nicht im vorderen Feld dabei. Also bin ich so ziemlich auf mich alleine gestellt. Soll er nur kommen, der Geselle mit seinem Dreizack! Den werde ich doch wohl locker abhängen....
Aus den Augenwinkeln kann ich sehen, wie die Menschenmenge mit lauten Anfeuerungsrufen wie eine Traube neben uns herläuft. Und ich meine auch, die Stimme von Gerlinde zu hören....” Ja – schwimm Nr. 941. Du bist ganz vorne, Du schaffst das. Gib alles....” Und auch andere Menschen stimmen ein....”Schwimm 941, schwimm....!”
Wahnsinn – ich bin ganz vorne. Knapp hinter mir der Geselle mit dem Dreizack und auf der anderen Seite die goldene Ente. Aber ich in Führung! Ich habe soviel Spaß und sause nur so über das Wasser. Ein herrliches Gefühl....den roten Gesellen habe ich schon fast vergessen, werde aber nun schmerzlich an ihn erinnert.
Er hat etwas aufgeholt und versucht mich unter Wasser mit seinem Dreizack zu erwischen. Ohhh – das gibt es doch gar nicht! Wieder und wieder versucht er, mich zu treffen.
So ein raffinierter Bursche...niemand am Ufer wird erkennen, zu welch unfairen Mitteln diese Ente greift.
Er hält den Dreizack unter Wasser und versucht mich damit umzuschubsen. Er sticht erneut zu und ich spüre einen Schlag, der mich zur Seite kippen lässt. Ein Aufschrei geht durch die Menschenmenge – mir wird in diesem Augenblick eiskalt. Es gelingt mir zwar, mich wieder aufzurichten – aber die eine Sekunde hat gereicht, den roten Gesellen mit einem hämischen Grinsen im Gesicht an mir vorbeiziehen zu lassen.
“Oh nein, das darf nicht wahr sein”...ich aktiviere meine ganze Kraft und versuche, ihn einzuholen. Aber da sehe ich auch schon die Ziellinie näher kommen – ich beiße meinen Schnabel fest zusammen und versuche an ihm vorbeizukommen, aber leider schafft es die rote Ente zuerst ins Ziel. Trotzdem meine ich zu hören, dass mir viel mehr Stimmen zujubeln als diesem kleinen Teufelchen.... Vielleicht wurde die gemeine Aktion doch beobachtet?
Zuerst bin ich wahnsinnig wütend; doch dann überwiegt der Stolz. Ich bin stolz, dass ich auf fairem Weg als zweiter ins Ziel geschwommen bin – und ich weiß, dass ich der eigentliche Sieger dieses Rennens bin. Das ist für mich das Wichtigste. Und bis auf diesen letzten Moment habe ich enorm viel Spaß gehabt.
Nach und nach treffen auch die anderen Enten ein. Alle umringen mich und gratulieren mir zu diesem tollen Erfolg. Wir lachen und quietschen vergnügt...und was macht der rote Geselle? Schwimmt ganz allein am Rand des Flusses und guckt grimmig. Tja – dem ist das hämische Grinsen wohl vergangen!
Plötzlich tut er mir leid. Eigentlich hat er, genau wie ich, nur versucht, für seinen Käufer alles zu geben und das große Rennen zu gewinnen. “Ach, was solls”, denke ich mir und schwimme zu ihm.
“Ich gratuliere dir zu deinem Sieg. Auch wenn du mich etwas unfair aus der Bahn geworfen hast...” Ich zwinkere ihm zu und er blickt mich erstaunt an. Dann erhellt plötzlich ein Lächeln sein Gesicht. Er sieht nun gar nicht mehr so böse aus. “ Ich wollte für den kleinen Jungen, der mich gekauft und gestaltet hat, unbedingt den Sieg erringen. Er hat sich soviel Mühe gegeben und sich so auf diesen Tag gefreut” Ich wollte ihn einfach nicht enttäuschen. Entschuldige bitte, dass ich Dich umgeschubst habe.” Zerknirscht schaut er mich an. “Entschuldigung angenommen, auch wenn ich im erstem Moment wirklich wütend auf dich war.” ich nicke ihm freundlich zu und schwimme gemeinsam mit ihm weiter.
Eine Ente nach der anderen wird nun mit einem großen Casher eingefangen. Keine von uns soll verloren gehen, denn unsere Käufer können uns mit nach Hause nehmen. Aber natürlich erst nach der Siegerehrung. Leider zieht es sich bis dahin noch ein wenig und inzwischen ist die Sonne verschwunden. Dunkle Wolken ziehen auf. Viele Menschen verlassen das schöne Fest. Es braut sich ein Gewitter zusammen und das kann gerade am Wasser sehr gefährlich sein. Das ist nun aber sehr schade....
Eine Durchsage ertönt. Es wird darauf hingewiesen, dass alle Enten, die am Rennen teilgenommen haben, auch im Jugendzentrum in der Stadt abgeholt werden können. Und leider prasseln auch schon die ersten Regentropfen hernieder. Viele Menschen laufen schnell zu ihren Autos.
Wir Quietsche-Enten werden in aller Eile ordentlich aufgereiht, damit die Abholung reibungslos verlaufen kann. Die Siegerehrung findet statt und der Junge, der den roten Gesellen erschaffen hat, erhält den Reisegutschein im Wert von 300,00 Euro. Er freut sich so sehr darüber, dass ich wirklich nicht mehr böse sein kann. . Und eines muss ich neidlos anerkennen....die einst gelbe Ente wurde sehr fantasievoll von dem Jungen umgestaltet!
Langsam löst sich das Fest auf und viele Stände werden zusammengepackt. Es regnet leider immer noch – aber was noch viel schlimmer ist: Gerlinde ist nicht gekommen um mich abzuholen. Sollte ich mich so in ihr getäuscht haben? Ist sie vielleicht verärgert, dass ich nicht gewonnen habe? Oder sieht sie in mir nur eine seelenlose Plastik-Quietsche-Ente, die es nicht wert ist, mit nach Hause genommen zu werden? Ich habe so gekämpft und alles gegeben – und bin nun schon vergessen?
Ich merke wie mir eine kleine Träne Richtung Schnabel läuft. Was passiert denn mit uns Enten, wenn wir nicht abgeholt werden? Traurig lasse ich mein Köpfchen sinken und merke, wie sich ein dicker Klos in meinem Hals bildet.
Da kommen auch schon ein paar Jugendliche auf uns übrig gebliebene Enten zu, um uns zusammenzupacken. Krümel wurde von seinem Besitzer abgeholt – auch die Prinzessin ist nicht mehr da, genau wie die goldene Ente und der rote Teufel mit dem Dreizack ....Ich bin unendlich traurig....
Nun kommen wir Enten in eine große Kiste und werden zum Jugendzentrum gebracht. Ein kleines Mädchen streichelt mir über das Köpfchen. “Sei nicht traurig, bestimmt wirst du noch abgeholt – ihr bleibt jetzt erst mal bis zum Wochenende bei uns im Jugendzentrum. Ich werde euch alle so aufstellen, dass eure Besitzer euch schnell finden können”. Hat das Mädchen etwa gesehen, wie schlecht ich mich jetzt fühle und wie traurig ich bin? Ich mache mich ganz klein und sitze zusammengekauert zwischen all den Enten, die vor ein paar Stunden noch gefeiert und bejubelt wurden. Wir sind alle sehr, sehr ruhig – und warten voller Hoffnung auf unsere Menschen...
“Guten Tag, ich möchte gerne meine Quietsche-Ente abholen”...die Stimme hätte ich unter tausenden wiedererkannt. Das ist doch Gerlinde....Ich recke den Kopf in die Höhe und ja: da sehe ich sie auch schon. Mein Herz springt vor Freude...sie hat mich doch nicht vergessen! Und diesmal gelingt es mir wirklich, vor Begeisterung zu quietschen. Erstaunt schauen mich die anderen Enten an....”Ah, da bist Du ja, meine 941”. Gerlinde eilt auf mich zu. “Du hast doch wohl nicht gedacht, ich habe dich vergessen? Aber doch nicht so eine super schnelle Renn-Quietsche-Ente wie Dich. Du bist mit Geld gar nicht zu bezahlen!
Gerlinde hebt mich hoch und betrachtet mit von allen Seiten. Sie bemerkt natürlich auch die Schramme an meiner Seite, dort, wo mich der rote Geselle mit seinem Dreizack getroffen hat....Sie runzelt die Stirn. “Ich habe gesehen, liebe Ente 941, wie der rote Geselle dich angegriffen und umgeschubst hat. Ich habe mich bei der Rennleitung beschwert – aber niemand hat etwas gesehen. Man hat mir jedoch versichert, dass im nächsten Jahr die Ordnungshüter-Präsenz auf jeden Fall erhöht wird. Die 4 Polizei-Enten waren heillos überfordert – in diesem Pulk der Enten”. Ich bin so stolz auf Dich, meine liebe kleine Ente, Du bist die Siegerin meines Herzens”.
Ich glaube, ich werde vor lauter Lob sogar ein bisschen rot und vergnügt trägt Gerlinde mich nach Hause....Alle Menschen, die wir unterwegs treffen, werfen uns erstaunte Blicke zu, kurz darauf huscht ein Lächeln über ihre Gesichter. “Ahhh- eine Quietsche-Ente, die bei dem großen Rennen auf der Ruhr dabei war....Und vor lauter Stolz meine ich, ein Stückchen zu wachsen ....
Ich denke noch einmal an diesen aufregenden Tag und mit einem ganz, ganz warmen Gefühl im Bauch an Gerlinde – die all das für mich erst möglich gemacht und an mich geglaubt hat. Die mich nicht für eine seelenlose Plastik-Quietsche-Ente hält und für die ich immer wieder mein Bestes geben würde. Und mit diesen schönen Gedanken kuschel ich mich fest an sie. Und noch auf dem Weg zu meinem neuen Zuhause falle ich in einen tiefen und entspannten Schlaf – den ich mir mehr als verdient habe....ich, die kleine, “große” Quietsche-Ente Nr. 941....